Gedanken zu Pfingsten.

Ein junger Mann ging einmal zu einem Psychiater. In einem langen Gespräch schilderte er dem Arzt seine Angst: er stehe vor einer Wand und wisse nicht, wie es in seinem Leben weitergehen solle. Der Psychiater hörte dem jungen Mann aufmerksam zu. Dann gab er seinem Patienten folgenden Rat: „In unserer Stadt ist gerade ein Zirkus zu Gast. Gehen Sie in diesen Zirkus und schauen Sie sich die Darbietungen an. In einer der Vorstellungen tritt ein grossartiger Clownauf. Er wird sie aufheitern und zum Lachen bringen.“ Der junge Mann erschrak und sagte:„Herr Doktor, dieser Clown bin ich.“…Was empfinden wir, wenn wir uns so fühlen, wie dieser Clown? Wir alle haben unsere Ängste, unsere Sorgen. Früher hat man gehört: Ängste dürfe man nicht zeigen. Man müsse sie überspielen oder verdrängen, mit dem Lächeln des Clowns auf dem Gesicht. Im Alltag haben wir oft den Eindruck, Angst weite sich aus; während einer Krankheit darf man nicht über den Tod sprechen; in der beruflichen Krise muss man Stärke zeigen. Von Kindheit an wurden wir gelehrt, keine Angst zeigen zu dürfen. Das war so. Heute wissen wir: Die Angst vor der Angst macht alle Türen zu –ja, so wie im Evangelium, wo die Jünger aus Angst vor den Juden ihre Türe verschlossen hielten. Da kommt keiner durch die Türen unserer Seele, wenn sie zugemacht werden. Die Jünger haben es nicht gewagt, sich den anderen anzuvertrauen. Ihre Angst war gross. Das heutige Evangelium aber spricht von einem, der sogar durch verschlossene Türen geht. Und das ist Jesus. „Er trat in ihre Mitte“ (Joh 20,19). Das tat er nicht, um ihre Angst herunterzuspielen, sondern sie aufzurichten, ja durch seine Geistsendung, durch seine Friedensverheissung, ihnen neue Kraft zu geben, mit den Worten: „Friede sei mit euch!“ (Joh20,21). Der von Jesus ausgesprochene Friedenswunsch meint nicht den grossen Weltfrieden, sondern den Frieden, den keiner sich selbst geben kann. Das ist ein Friede, der von Gott kommt. Er vermittelt die Gewissheit, dass ER in uns, mit seinem Geist lebt. Jesus sagt weiter: „Empfangt den Hl. Geist“. (Joh 20,22). Ängste kann man nicht einfach verjagen. Auch ein Clown kann das nicht mit seinem Humor. Vielleicht vergessen wir die Ängste kurzfristig, aber nach einer gewissen Zeit sind sie wieder da. Die innere Heilung ist ein Geschenk, das man sich selbst nicht machen kann. Deswegen beten wir am Pfingsten:

„Komm, Schöpfer Geist, kehr bei uns ein, besuch das Herz der Kinder dein, die deine Macht erschaffen hat, erfülle nun mit deiner Gnad.“ (KGB 228,1)

Musik im Pfingstgottesdienst am 31. Mai 2020 um 10.00 Uhr

Haydn Orgelkonzert in C-Dur, Hob. XVIII:10: Streichtrio (Violine 1: Myrtha Albrecht-Indermaur, Violine 2: Maria Scheidegger, Cello: Monika Haselbach und Orgel (Claudio Bernasconi).

Programm:

Einzug: Haydn 1. Satz
Zwischengesang: Mozart KV 328
Nach Predigt: Mozart KV 274
Zur Kommunion: Haydn 2. Satz
Zum Schluss: Haydn 3. Satz

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